8 Dinge, die Dir Deine Tanzlehrer nicht erzählen

23.07.2022

Boris

min

Folgende 8 Dinge werden Dir als TanzschülerIn absichtlich verschwiegen...

Folgender Text befasst sich mit professionellen Tanzlehrern und Tanzlehrerinnen, die diese Tätigkeit als Beruf ausüben. Menschen, die Tanzen als Nebenberuf oder Hobby ausüben, verhalten sich in einigen Punkten, nach Erfahrungen des Autors, anders als hier beschrieben.

Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass wir alle Menschen, mit ganz individuellen Bedürfnissen, Emotionen und Handlungen sind. Sobald auch professionelle TanzlehrerInnen eine andere, als die beschriebene Handlung ausführen, sagt das nichts über deren Professionalität, Stärken oder Schwächen aus.


1. Er/Sie erzählt Dir nicht alles

Silence

Dein Tanzlehrer oder/und Deine Tanzlehrerin möchte, dass Du Tanzen gut und in Deinem perfekten Tempo lernst. Dazu überlegen sie sich den perfekten Weg, um Dich an Dein Ziel zu bringen, Und dieser Weg soll für Dich so angenehm wie möglich sein. Das heißt in dem Fall, dass Du sowohl herausgefordert wirst, um zu wachsen und lernen, jedoch auch, dass Du dabei Spaß hast.

Um diese Balance zu schaffen, wirst Du Schritt für Schritt bzw. Info für Info begleitet und an das für Dich ideale Tanzen herangeführt.
Das bedeutet gleichzeitig, dass Dir nicht alles gleichzeitig und auf einmal erzählt und erklärt wird. Denn zu viele Informationen auf einmal sind für unser menschliches Gehirn und unseren Körper nicht umsetzbar.

Hier kannst Du Dir folgende Regeln merken, die sich pädagogisch Durchgesetzt haben:

ONE VOICE ONE MESSAGE

Eine Person spricht und vermittelt ein neues Detail, auf das sich, bei der nächsten Übung, die Angesprochenen (Tanzende oder Leader oder Follower) konzentrieren dürfen.

onevoice

EINS, ZWEI, DREI, ZU VIEL

Für das menschliche Gehirn ist es relativ einfach sich drei Dinge zu merken.

Alles darüber hinaus, verbraucht deutlich mehr Energie.

123

2. Er/Sie bringt Dir bewusst Dinge falsch bei

Um Dir das Tanzen einfach und erfolgreich beizubringen, ist es oftmals sinnvoll, Dir eine Struktur, und andere Vorgaben, an die Hand zu geben. Somit ermöglicht Dein/e TanzlehrerIn, dass Du Spaß beim Tanzen hast und bereit bist, neue Dinge auszuprobieren.

falsch

Beispielsweise lernst Du anfangs Figuren im eight count oder six count mit einem Rock Step am Anfang. Irgendwann lernst Du Fußvariationen, die Du an Stelle eines Rock Steps tanzen kannst.

Und ist es nicht ein super Gefühl, wenn Du dann selber herausfindest, dass Du auch noch andere Dinge an Stelle des Rock Steps tanzen kannst?! Plötzlich hast Du den Mut kreativ zu werden und das auch mal an anderen Stellen im Tanz auszuprobieren.

Und irgendwann bist Du dann vielleicht in Deinem Tanzen an einer Entwicklungsstufe angekommen, an der Du realisierst, dass im Grunde alles verändert werden kann. Sowohl die Schritte an sich als auch die Länge an Taktschlägen.

Falls Dir das jedoch zu Beginn Deines Tanzens so erklärt worden wäre, wüsstest Du vermutlich nicht, wie Du Dich zu Swing Musik bewegen solltest. Geschweige denn wie Du diesen Tanz mit einem Partner oder einer Partnerin führst oder folgst. Stimmt‘s?!

Denn wenn wir zu viele Möglichkeiten an die Hand bekommen, wissen wir wieder nicht, womit wir anfangen sollen, was wir auswählen sollen und wie wir am Besten weitermachen. Hier gilt also wieder EINS, ZWEI, DREI…. ZU VIEL!


3. Es ist Deine Eigenverantwortung, dass Du besser wirst

Tanzunterricht ist eine tolle Möglichkeit neues zu lernen und neue Denkanstöße zu bekommen. Allerdings ist es so gut wie unmöglich, dass Du ein/e Weltklasse TänzerIn wirst, wenn Du nur einmal pro Woche an einem Gruppenkurs teilnimmst.

Falls Du den Ehrgeiz und die Ambitionen hast, Dich im Tanzen zu verbessern (und sei es nur, dass Du in‘s nächste Level kommst), sollest Du über folgende Optionen nachdenken:

  • Besuche mehrere Kurse pro Woche
  • Besuche Unterricht von verschiedenen LehrerInnen
  • Triff Dich zum Üben mit FreundInnen
  • Übe bewusst auf Tanzveranstaltungen / Partys
  • Gehe oft auf Social Dances und tanze mit verschiedenen Menschen
  • Besuche Workshops
  • Nimm Online Unterricht
  • Buche Privatstunden / Einzelunterricht
  • Suche Dir einen Coach
selbstverantwortung

4. Um richtig gut werden reicht Social Dancing nicht aus

Oftmals sehen wir TänzerInnen, die wir vielleicht als Vorbild haben, beim Tanzen zu. Das sieht immer leicht aus und fast ohne Anstrengung. Das kann dazu führen, dass wir verdrängen, dass diese TänzerInnen hart für ihren Erfolg gearbeitet haben.

Denn es sieht nur dann leicht und unbeschwert aus, wenn Du eine gewisse Anzahl an Stunden investiert hast. Manche Tanz-Anfänger denken, dass ihre großen Vorbilder vor Allem dadurch so gut, flüssig und unbeschwert tanzen, weil sie oft auf so genannten Social Dances waren und mit vielen verschiedenen Menschen getanzt haben.

Die Wahrheit ist jedoch, dass sie sehr viele Stunden investiert haben, um ihre Technik zu perfektionieren. Das betrifft Themen wie Drehungen, Rhythmus, Bounce, Verbindung im Paar, Schnelligkeit, Figuren, Kreativität, Musikalität und viele andere Aspekte.

Bruce Lee Zitat

Ich habe keine Angst vor dem, der 10.000 Kicks einmal ausgeführt hat. Ich habe vor dem Angst, der einen Kick 10.000 Mal ausgeführt hat.

bruce lee

Kampfkünstler & Schauspieler

Es ist sogar sehr gut möglich, dass diese Menschen an Dingen gearbeitet haben, von denen Du selbst noch nie gehört hast (vergleiche Punkt 1 dieses Artikels - Du weißt nicht, was Du nicht weißt).

Auch gut möglich ist, dass diese guten TänzerInnen als Kind bereits andere Sportarten gemacht haben, die dazu geführt haben, dass sie jetzt dieses perfekte Körpergefühl haben und wissen, wie sie ihn einsetzen. Oder sie haben eine musikalische Ausbildung und können deshalb die Musik schneller verstehen als andere. Oder, oder oder...

Auch, wenn Du nicht das Ziel hast auf dem selben Level wie Deine Vorbilder zu tanzen… Falls Du vielleicht in Deiner eigenen Szene, in Deinem (Bundes-)Land oder nur für Dich selbst gut tanzen können willst, dann frage Dich, was Du noch machen kannst, als nur auf Partys zu gehen (vergleiche Punkt 2 dieses Artikels - Eigenverantwortung).

5. Die größte Angst der Menschen ist es öffentlich vor anderen Menschen zu sprechen.

Auch TanzlehrerInnen sind Menschen! Erstaunlich, was?!
Ja ehrlich!

Eine der größten Ängste der Menschen ist es vor anderen Menschen laut zu sprechen. Und ja, auch für Deine/n TanzlehrerIn gilt das.

sprechen vor anderen

Wenn Du Dir jetzt denkst: „Ich kann mir nicht im geringsten vorstellen, dass mein/e TanzlehrerIn damit ein Problem hat!“ Dann stelle Dir doch vielleicht mal kurz vor, wie es für Dich wäre, wenn Du jetzt spontan mal ihren oder seinen Kurs vertreten müsstest…

Oder weißt Du noch, wie Du Dich bei Referaten in der Schule gefühlt hast?…

sprich

Klar. Du bist nicht sie oder er. Aber so, wie auch Du einen gewissen Prozess durchmachen müsstest, musste das auch Dein/e TanzlehrerIn, um jetzt so souverän auftreten zu können, wie sie oder er es heute tun.

Und falls Du hier und da doch noch die ein oder andere Unsicherheit bei ihr/ihm auffällt, dann siehst Du jetzt vielleicht, dass er oder sie immer noch im Prozess ist, ihre/seine Angst zu überwinden.

Sehe es ihm oder ihr nach und erinnere Dich an Dein erstes Referat in der Schule.


6. Unterricht macht nicht immer Spaß

Wie bereits geschrieben: Auch TanzlehrerInnen sind Menschen. - Ja, Tatsächlich!

Und Menschen haben Bedürfnisse, Emotionen und Erlebnisse mit denen jede und jeder unterschiedlich umgeht.

Frust

Wir alle haben mal Hunger, sind müde oder erleben Dinge, die bei uns Emotionen hervorrufen.

Profis, so wie Dein/e Berufs-TanzlehrerIn versuchen das vor Dir als TanzschülerIn zu verbergen und Dir gegenüber immer gut drauf zu sein. Manchmal ist das einfach und an manchen Tagen ist das eher schwierig.

Hier ein paar Themen, die Dein/e TanzlehrerIn täglich beschäftigen (können):

  • Die perfekte Kursvorbereitung
  • Der nächste optimale Workshop
  • Verletzungen
  • Zeit zum Üben
  • Vorbereitung zum nächsten Wettkampf
  • Choreografien lernen
  • Eigene Weiterbildung
  • Schlafmangel
  • Geldprobleme
  • Schwierige Schüler
  • Unfreundliche Vertragspartner
  • Rechtsstreits
  • Die perfekte Musikauswahl
  • Raumsuche
  • Kooperationen mit VeranstalterInnen
  • Managen von Auftritten
  • Social Media (Management der Posts / Hater /…)
  • Webdesign
  • E-Mails / Artikel / … schreiben
  • Filmdrehs für eigene oder fremde Musikvideos, Interviews, etc.
  • Anmeldungen koordinieren
  • Fragen von Schülern, Veranstaltern, Presse, Vertragspartnern,… beantworten
  • Krankheit
  • Schmerzen
  • Hunger

Du als TanzschülerIn kannst zu Hause bleiben, wenn Du mal einen schlechten Tag hast. Wie schade wäre es, wenn das auch Dein/e TanzlehrerIn machen würde?! Womöglich auch noch unangekündigt…

Glücklicherweise geben TanzschülerInnen immer auch ganz viel positive Energie zurück und Musik & Bewegung hilft dabei, negative Gedanken zu beseitigen.

Deshalb gehen TanzlehrerInnen oftmals gut oder besser gelaunt nach Hause.
Denke auch Du bei Deinem nächsten Unterricht daran und gib Deinem oder Deiner TanzlehrerIn viel positive Kraft während des Unterrichts und/oder wenn ihr euch verabschiedet.


7. Er/Sie erzählt Dir nicht, was er/sie selbst nicht kann / bei wem Du besser oder schneller lernen könntest.

Dieser Punkt hat mit mehreren Themen zu tun: Stolz, Angst, Egoismus und auch „soziologisch“.

Ich weiss nicht

Ausgangspunkt:
Du kommst an einen Punkt, an dem Du Deine/n TanzlehrerIn Fragen stellst, die er oder sie nicht beantworten kann.

Dein professioneller TanzlehrerIn realisiert jetzt bestenfalls, dass er/sie die perfekte Antwort für Dich nicht kennt. In anderen Kreisen (andere Sportarten, Instrumente lernen, etc.) wird an dieser Stelle normalerweise auf einen anderen LehrmeisterIn verwiesen. „Ich kann Dir nichts mehr beibringen. Gehe jetzt zu Person XY“.

Beim SwingTanzen ist das noch nicht so verbreitet. Es ist okay, wenn Dein/e TanzlehrerIn Dir sagt, dass er/sie Dir die Antwort in der nächsten Stunde geben wird. Allerdings solltest Du selbst überlegen zu welchem Zeitpunkt Du Dich entscheidest mit einer bzw. mehreren anderen Person/en weiter zu arbeiten.

Beispielsweise kann es von Vorteil sein, wenn Du eine/n SpezialistIn für Balboa, Charleston, Lindy Hop oder einen anderen Tanz Deiner Wahl hast.

Help

8. Du glaubst immer noch an einen Mythos! 

Wie oben beschrieben, erklärt Dir Dein/e LehrerIn nur soviel, wie Du aufnehmen kannst.
Wusstest Du aber, dass Dir auch bewusst Falsches beigebracht wird?

Ja. Tatsächlich macht es aus didaktischen Gründen sogar manchmal Sinn und Du kannst Deinem Lehrer und Deiner Lehrerin dankbar sein.

Denn bevor Du einige Techniken und Konzepte nicht auf eine bestimmte Art und Weise lernst, wirst Du in Deiner Tanzentwicklung möglicherweise Schwierigkeiten haben, sobald Du im Paar tanzt.

Zumindest eine Zeit lang und in der Szene, in der Du tanzt.

Ab einem gewissen Punkt / Entwicklungsstand macht es jedoch Sinn diese Mythen aufzulösen und somit Deinen Horizont zu erweitern, damit Du Dich und Dein Tanzen weiterentwickeln kannst.

mythos

Hier ist eine Liste an Mythen, die Du anfangs bewusst „falsch“ beigebracht bekommst, damit Du es später bzw. im jetzigen Moment einfacher hast:

  • Lindy Hop tanzt man ohne Frame
  • Spaghettiarme sind schlecht
  • Es gibt nur einen Bounce und den musst Du immer halten
  • Es gibt nur 6 Count Moves
  • Es gibt nur 8 Count Moves
  • Die Figur startet mit einem Rock Step
  • Der Leader führt, der Follower folg
  • Nur mit den Armen zu führen/folgen ist schlecht
  • Führe niemals schnell und ruppig
  • Um Dich im Raum zu bewegen musst Du immer den Fuß wechseln
  • Verdrehe niemals den Arm hinterm Rücken
  • Ziehe niemals den Arm hinter dem Rücken nach oben/unten

Hinweis: Falls Du im Moment einige dieser Sätze als wahr empfindest, wurde dieser Mythos in Deinem Unterricht noch nicht widerlegt. Das ist okay. Dann brauchst Du zum jetzigen Moment noch diese „Wahrheit“ für Dein Tanzen.

Sollte aber ein oder mehrere dieser Sätze noch in einem Jahr zu Deinen Glaubenssätzen gehören, die Du als „richtig“ empfindest, dann solltest Du Deinen Lehrer und Deine Lehrerin fragen, warum dieser Satz angeblich ein Mythos sind.

Falls sie das nicht zufriedenstellend beantworten können, sind sie möglicherweise selbst noch nicht über diesen Punkt hinweg gekommen. Sie wissen demnach selbst nicht, dass es nur ein Mythos ist.

Falls Du an dem Punkt sein solltest, an dem Du wissen möchtest, was sich hinter diesem Mythos verbirgt, stelle diese Frage einer/m erfahreneren LehrerIn/TänzerIn. Und falls möglich - überlege dauerhaft den Unterricht zu wechseln.


Fazit

Auch, wenn Dir Dein/e TanzlehrerIn nicht immer alles erzählt, bedeutet das nicht, dass er oder sie Dich absichtlich im Dunkeln lässt. Oftmals ist es sogar sehr hilfreich für Dich.

Falls Du aber bemerkst, dass er oder sie es einfach nicht besser weiß, dann solltest Du überlegen Dir Deine Informationen von anderer Stelle zu holen.

Denn nur so kannst Du mit jeder Person entspannt tanzen und mit jedem Tanz ganz viel Spaß haben. Ihr werdet euch gut verstehen, egal mit welcher Technik Dein/e PartnerIn tanzt und Ihr werdet gemeinsam, wie für einander gemacht, über die Tanzfläche fegen! 

Und so sollte sich Tanzen anfühlen. Locker, frei und mit ganz viel Spaß.

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P.S.: Podcast-Empfehlungen zu diesem Thema:

In folgenden Episoden des ersten deutschsprachigen Swingtanz Podcasts "Bei mir bist Du schön" sprechen Boris und Phil ebenfalls über Themen, die Dich in diesem Thema unterstützen. 

Episode 034 - Lindy Hop Mythbuster #1
Episode 039 - Lindy Hop Mythbuster #2
Episode 055 - Le(h)rnTipps #1
Episode 057 - Lern-Booster #1
Episode 058 - Potentielle Lernblockaden

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